„Die nächsten sieben Jahre werden mir noch mehr Spaß machen.“

Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen ist mit sich im Reinen. (Foto: Wolff)

Bielefeld (gw). Oberbürgermeister Pit Clausen stand sicherlich noch nie im Verdacht, zu den aufgeregten Charakteren der Bielefelder Politszene zu gehören. Wer den 55-jährigen in diesen Tagen aber sieht, wird bemerken, dass er besonders gut gelaunt ist.

Das mag daran liegen, dass Pit Clausen mit sich im Reinen ist, wie er im Interview mit der Bielefelder Rundschau verrät. „Die ersten sieben Jahre meiner Amtszeit waren in erster Linie davon geprägt, die städtischen Finanzen in den Griff zu kriegen“, erläutert Clausen, der am 30. August 2009 zum Oberbürgermeister gewählt wurde. In der Anfangszeit, als er das Amt angetreten habe, seien die Steuereinnahmen weggebrochen. „Wir hatten keine Möglichkeit zur Gestaltung, sondern konnten nur einen Weg finden, um aus dieser Situation wieder rauszukommen“, schildert Clausen die damalige Situation.

Diese hat sich nun um 180 Grad gedreht. „Heute kann ich verkünden, dass wir den Jahresabschluss für 2016 mit einem Defizit von 60 Millionen geplant haben und ihn stattdessen mit schwarzen 1,5 Millionen beenden“, freut sich das Stadtoberhaupt.

Als Zwischenbilanz seiner Amtszeit könne er sagen, dass die Stadt durch das Bemühen in den letzten sieben Jahren richtig gut weitergekommen sei.

„Und das auch durch unpopuläre Entscheidungen“, so Clausen. So habe man alle Steuern erhöht. „Auch mussten wir viele Angebote für die Bürger einschränken“, bestätigt das Stadtoberhaupt. Aber: „Das hat sich gerechnet, weil wir jetzt den Gestaltungsspielraum haben, um in bestimmte Bereiche zu investieren, was wir vorher nicht gekonnt hätten.”

Auf was Clausen besonders gern in den letzten sieben Jahren zurückblickt, ist nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsvorstand. “Die ist einfach sehr vertrauensvoll“, lobt Clausen die Gemeinschaft und präzisiert: „Das ist ein Team, das die Herausforderungen sieht und gemeinsam angeht.“

Aber auch seiner Stadt stellt Clausen ein gutes Zeugnis aus: „Wir gelten als eine der sichersten Großstädte bundesweit“, so der Bürgermeister, dessen Hund achtsam im Vorzimmer  darüber wacht, wer in das Büro vom Herrchen geht. Auch habe Bielefeld eine hervorragende Entwicklung in der Wissenschaft hingelegt, und das nicht nur bezogen auf den Medizincampus.

Eine Herausforderung sieht Clausen im Bereich der Integration. „Heute leben Menschen aus 150 Nationen in Bielefeld“, erläutert er.  Das Zusammenleben klappe zwar schon ganz gut. „Ich bin damit aber lange noch nicht zufrieden“, stellt Clausen klar. Denn er müsse auch feststellen, dass es auch Ausgrenzungstendenzen und –problematiken gebe.
„Integration ist eine Herausforderung, die uns in den kommenden zehn Jahren  intensiv beschäftigen wird”, ist sich das Stadtoberhaupt sicher.

Dabei würden die Ausgrenzungstendenzen im Schulbereich anfangen. Manchen Eltern würden ihre Kinder lieber an Schulen mit einem geringen Migrationsanteil anmelden, erläutert  Claussen und erklärt, dass es dadurch zu einem gewissen Schultourismus komme. Ihm sei aber auch klar, dass es schwer werde, dagegen anzugehen, denn „das Elternwahlrecht wird ganz groß geschrieben.“

Für Clausen steht fest, dass die ersten sieben Jahre schwierig gewesen seien. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Die nächsten sieben Jahre werden mir noch mehr Spaß machen.“