Glaubensgemeinschaften in Bielefeld (1): „Buddhistisches Zentrum“

Auch Wiebke Krüger meditiert regelmäßig. (Foto: Wolff)

Die weite Fensterfront in dem geräumigen Zimmer gewährt einen Panoramablick über Bielefeld, eine weiße Couchgarnitur lädt zum Verweilen ein. Wer hierhin kommt, möchte genau das: verweilen und entspannen.

Der Verein „Buddhistisches Zentrum Bielefeld“ hat seinen Sitz in einem Geschäftshaus in der Eckendorfer Straße – „vorübergehend“, wie Wiebke Krüger, Pressesprecherin des Vereins betont. Dreimal in der Woche treffen sich die Mitglieder zur gemeinsamen Meditation. Das geistige Oberhaupt des Vereins, dessen knapp 30 Mitglieder sich nicht als Religionsgemeinschaft sehen und in Deutschland auch nicht als solcher anerkannt ist, heißt Thaye Dorje und ist nach Auffassung der Buddhisten bereits zum 16. Mal wiedergeboren.

„In unserer Lehre nimmt die Wiedergeburt eine zentrale Stellung ein“, erläutert Krüger, die als Ärztin praktiziert. Dabei glauben die Buddhisten nicht an  Gott, sondern sehen das Prinzip von Ursache und Wirkung als Grundlage des Lebens – und der Wiedergeburt. „Wenn ich Kakteen säe, werde ich auch Kakteen ernten“, beschreibt Krüger die Philosophie der Erfahrungsreligion. Nach dem Selbstverständnis der Gemeinschaft bedeutet das auch, dass die Behinderung einer Person, auf die Lebensweise im vorherigen Leben zurückzuführen ist.

Im Bielefelder Zentrum wird der sogenannte Diamantweg praktiziert. Aus diesem Grund nennen sich die Mitglieder auch Sangha, was „Gemeinschaft der Praktizierenden“ bedeutet. Buddhas Lehre sei wie ein Diamant, der in seinem Wesen unveränderlich sei, aber doch in den Farben des Untergrundes strahlt, auf dem er liegt, heißt es auf der Webseite des Vereins.

So habe sich die Lehre den kulturellen Bedingungen der einzelnen Länder angepasst, ohne dabei ihre Essenz zu verlieren.

Der Diamantweg-Buddhismus spricht, laut den Verantwortlichen,  „im Leben stehende, selbständige Menschen an“. Das Zentrum und die Meditationsgruppen ermöglichten jedem einen einfachen Zugang zu den Meditationen und Erklärungen des Diamantweg-Buddhismus.

Knapp 150 buddhistischen Zentren im deutschsprachigen Raum werden von den Mitgliedern auf der Grundlage von Freundschaft und Idealismus ehrenamtlich betrieben. In Deutschland sind diese in als gemeinnützig anerkannten Vereinen organisiert. In einigen Ländern Europas ist der Buddhismus eine anerkannte Religion, wie zum Beispiel in Dänemark, Griechenland, Österreich, Polen, Ungarn und Russland.

Mehr Informationen im Internet unter: http://www.buddhismus-bielefeld.de/

Karma Kagyü ist eine der großen buddhistischen Schulen des Diamantwegs. Als Linie der direkten mündlichen Überlieferung legt sie besonderen Wert auf Meditation und die unmittelbare Verwirklichung der Natur des Geistes durch die Übertragung des Lehrers.

Die Linie findet ihren Ursprung beim historischen Buddha und entwickelte sich zu einem praktischen Erleuchtungsweg in Indien und Tibet. Vor 1000 Jahren gestalteten bedeutende buddhistische Meister und Verwirklicher (Yogis) wie Naropa, Maitripa, Marpa und Milarepa die Linie als eine lebensnahe Laienbewegung. Gampopa entwickelte kurz danach sein Klosterwesen.

Seit dem 12. Jahrhundert hat die ununterbrochene Reihe der Wiedergeburten der Karmapas  die Linie lebendig und kraftvoll gehalten.

Heute geben buddhistische Lehrer wie Künzig Shamarpa, und Khenpo Chödrak die östliche Übertragung weiter. Sie unterstützen die Arbeit in den neuen, westlich geprägten Zentren rund um die Welt.