Vortragsreihe „Linie 4“ bringt Forschung in die Stadt

Einige der vortragenden Doktorandin-nen und Doktoranden bei „Linie 4“. (Foto: Universität Bielefeld/T. Abel)

Acht Doktorandinnen und Doktoranden der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) machen sich mit ihren Promotionsthemen auf den Weg in die Innenstadt. Ihr Ziel: die Volkshochschule Bielefeld. Ihre Motivation: sich mit allen an Wissenschaft interessierten Menschen über ihre Forschungsthemen austauschen. “Linie 4” heißt dieses Format, das am Dienstag, den 17. Oktober, startet.

Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler präsentieren ihre Forschungsprojekte aus der Geschichte und den Sozialwissenschaften – immer mit besonderem Fokus auf allgemeine Verständlichkeit und bereit zur Diskussion. Es ist die mittlerweile dritte Auflage von Linie 4.
Die Einzelveranstaltungen finden in der Volkshochschule Bielefeld, Ravensberger Park 1, Raum 240, jeweils ab 18 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Die Termine im Überblick:

• 17. Oktober: Konsum und nationale Modernisierung in China

Der Soziologe Marius Meinhof thematisiert, wie Konsumpraktiken und -möglichkeiten zum Zwe-cke einer Modernisierung Chinas eingesetzt werden. Nicht reines Wirtschaftswachstum steht im Zentrum des Interesses, sondern wie staatliche Planerinnen und Planer durch einen „gesunden“ Konsum eine „umfassende Entwicklung“ der Menschen anregen möchten.

• 7. November: Frauen gegen ihr Vaterland Frankreich (1918–1939)
Das Thema der Historikerin Theresa Hornischer: in Vergessenheit geratene intellektuelle Frauen, die in den 1920er und 1930er Jahren in Frankreich immer wieder in Presse und Öffentlichkeit auftauchten – als Feministinnen, Journalistinnen oder Reiseschriftstellerinnen.

• 21. November: Verfolgung und Neuanfang: Jesidische Frauen in Deutschland
Im Vortrag der Soziologin Carla Thiele geht es um Lebenswirklichkeiten geflüchteter jesidischer Frauen in Deutschland. Wie schaffen sie es, ihr altes Leben, Fluchterfahrungen und neue Herausforderungen in Einklang zu bringen?

• 5. Dezember: Chemie vor Gericht – Giftmorde im 19. Jahrhundert
Marcus Carrier (Geschichtswissenschaftler) skizziert den Aufstieg der Naturwissenschaften im 19. Jahrhunderts anhand von naturwissenschaftlichen Experten, die als Sachverständige vermehrt Einzug in den Gerichtssaal erhielten und so etwa Giftmörderinnen und Giftmörder überführten.

• 19. Dezember: Lagergeschichten aus der Senne: Nazis hinter Stacheldraht
In den Lagern Staumühle und Stukenbrock in der Senne wurden nach dem zweiten Weltkrieg Nationalsozialisten inhaftiert. Die Historikerin Kerstin Schulte hat ihre autobiografischen Werke untersucht. Sie zeigt einen Einblick in die Parallelwelt der Lager.

• 16. Januar: Who cares? Filipino nurses in Germany (Vortrag in englischer Sprache)
Die Soziologin Cleovi Mosuela widmet sich in ihrem Vortrag philippinischen Pflegekräften in Deutschland. Was hat sie dazu bewogen nach Deutschland zu kommen? Oder hat Deutschland sie angesichts des aktuellen demografischen Wandels und des Arbeitskräftemangels angeworben?

• 30. Januar: Brot oder Bratwurst? Der Alltag im mittelalterlichen Gefängnis
Der Vortrag der Historikerin Sabrina Timmer geht der Frage nach, welche Bedeutung und Funktion die Gefängnisstrafe im Mittelalter hatte. Wie sahen die Lebensbedingungen der Insassen aus? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen konnte eine Inhaftierung nach sich ziehen?

• 13. Februar: Die Angst des Schiris vor dem Elfmeter
Der Soziologe Justus Heck rückt Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in den Fokus seiner For-schung. Ihm geht es um die Frage, welchen Unterschied es für das Fußballspiel macht, wenn die Entscheidungskompetenz beim Schiedsrichter liegt. Als Vergleich zieht er die berüchtigte „Wilde Liga“ heran, die ohne Unparteiische auskommt.

Weitere Informationen: www.uni-bielefeld.de/bghs/Public_Science/Linie_4